Nach vier Jahrzehnten ziehen sich Karl Schäfer und Wilfried Kraft aus dem Ensemble zurück

STOCKSTADT - Ein großes Konzert, ein großes Ade: Zwei Gründungsmitglieder des Musikzugs haben am Samstag ihren letzten Auftritt.

Beim Konzert des Musikzugs am Samstag werden neben dem 40. Geburtstag der Formation auch zwei Abschiede gefeiert: Karl Schäfer und Wilfried Kraft beenden ihre Zeit als aktive Musiker. Beide sind Gründungs- und Ehrenmitglieder des Vereins und haben seine Entwicklung über vier Jahrzehnte geprägt.

Am stärksten Schäfer, der bis Ende 2008 als musikalischer Leiter am Pult stand und dem Verein seinen musikalischen Stempel aufgedrückt hat. Zu den Musikern stieß der Klein-Rohrheimer schon, als sie noch Teil der Freiwilligen Feuerwehr waren: Mit Zug oder Moped kam er samt Trompete an den Altrhein, um dort zu spielen und anzuleiten. Musikalische Erfahrung hatte er schon bei der Gernsheimer Feuerwehrmusik und der Kapelle „Die Hukanos“ gesammelt.

Das Arrangieren und Dirigieren brachte er sich selbst bei, schrieb populäre Stücke für die Bedürfnisse der Stockstädter um. Statt Klarinetten spielten dann Trompeten, und zu schwer durften die Stimmen für die Hobbymusiker nicht ausfallen. Als einziges Stück aus dieser Zeit ist die „Fuchsgrabenpolka“ immer noch im Repertoire des Musikzugs.

Wilfried Kraft hat mit acht Jahren angefangen, bei der Feuerwehr zu trommeln – schon bei der Einweihung des Freibads spielte er im Kinder-Fanfarenzug. Die Blasinstrumente, die er bei den anderen Musikern hörte, gefielen ihm dann so gut, dass er auch eines erlernte. Wie bei Schäfer wurde das Euphonium, auch Bariton genannt, zu seinem Lieblingsinstrument.

Zur Trennung von der Feuerwehr kam es Anfang 1976: Die Wehr wollte die Musiker auch in der Einsatzabteilung sehen, die aber wollten musizieren, nicht löschen. Als es bei einer Versammlung im Februar keine Einigung gab, wurde vier Wochen später der Musikzug als eigener Verein aus der Taufe gehoben. Kurt Heil wurde erster Vorsitzender, Wilfried Kraft sein Vertreter. „Mich haben sie gefragt, wohin ich bei der Aufteilung gehen werde“, erinnert sich Schäfer. „Und ich habe gesagt: Dahin, wo die Musik ist.“ Die aber war vorerst nicht leicht zu spielen, waren doch die meisten Instrumente im Besitz der Wehr. Auch eine Übungsstätte gab es anfangs noch nicht – man traf sich im Partyraum von Wilfried Kraft.

Die Arrangements veränderten sich, Schäfer orientierte sich an der damals sehr populären Musik von James Last. Mit einem schwungvollen Stil wie bei dem bekannten Bandleader wurde der Dirigent als „James Last von Stockscht“ bekannt. Erste Auftritte für den neuen Verein ergaben sich im Mainzer Karneval. Die Stockstädter sind seitdem fester Programmpunkt bei Umzügen und Sitzungen der Hechtsheimer Dragoner.

Es kamen erfolg- und ereignisreiche Jahre für die Gruppe und die beiden Musiker. Zahllose Auftritte im In- und Ausland und Wettbewerbe bis auf Bundesebene waren nur möglich, weil auch die Familien das musikalische Hobby mittrugen. Ihre Bedeutung für den Verein bekamen Schäfer wie Kraft aber, weil sie musikalisch und auch organisatorisch fähig waren: Ob Übungsbetrieb, Notenarchiv oder Großveranstaltungen, ordnende Hände waren nötig.

Manches wurde leichter mit der Zeit: Musste Schäfer früher 14 Stimmen per Hand aufschreiben, so ging das seit den neunziger Jahren per Computer. Weggefallen ist aber auch das gemütliche Zusammensitzen nach den Proben: „Heute haben alle mehr Stress und wollen nach Hause.“

Nach der Verabschiedung beim großen Jubiläumskonzert wird Schäfer sich mehr Zeit für Familie und Garten gönnen, spielt aber privat weiter sein Euphonium –  „vielleicht ja in einer Rentnerband“. Kraft will sich weiter in der Jugendarbeit des Musikzugs engagieren, bei der Ausbildung der Junior Brass Band. Dem Verein aber wird der Abschied schwerfallen, weiß Vorsitzender Luigi Urzo.