Von René Granacher Ried-Echo vom 09.10.2017

Oktoberfest in der Altrheinhalle

MUSIKZUG STOCKSTADT Bayerischer Defiliermarsch als Grundlage für ein Schätzspiel

STOCKSTADT - Normalerweise ist es einfach: Stockstadt am Rhein liegt in Hessen, das am Main dagegen in Bayern. Am Samstagabend geriet die gewohnte Einteilung aus den Fugen, hatte sich doch die Altrheinhalle eindeutig auf die Seite Bayerns geschlagen. Grund war natürlich das Oktoberfest des Musikzugs.

Wer in die Halle kam, wähnte sich in einem Festzelt auf der Wiesn: Weiß-blau war alles dekoriert, in Dirndl und Krachlederner saßen die Gäste an den Tischen, vor sich Haxn und Maßkrug. Auch die Musiker hatten sich süddeutsch-volkstümlich gekleidet und aus ihrem Repertoire die passenden Stücke ausgesucht. Unter der Leitung von Luigi Urzo erklangen Unterhaltungsmusik, Märsche und Schunkellieder, dazu immer wieder „Ein Prosit der Gemütlichkeit“. Der Bayerische Defiliermarsch wurde auch für ein Schätzspiel genutzt: Wie viele Noten hatten die Flügelhörner bei diesem Stück zu spielen?

Mit Janker, Trachtenhut und Blasmusik amüsierten sich die Besucher in der vollen Halle, griffen zu Weißwurst oder Leberkäs. Spielte sich das musikalische Geschehen erst auf der Bühne ab, so durfte sich der Musikzug später selbst unters Festvolk mischen, denn da übernahmen die „Oldrheu-Schlawiner“ im hinteren Saalbereich die Unterhaltung. Auch bei diesen jungen Männern und ihrer Sängerin handelte es sich um Stockstädter, die vorübergehend die bayerische Staatsangehörigkeit angenommen hatten.

 

 

Von René Granacher Ried-Echo vom 21.3.2016

KONZERT  Musikzug Stockstadt besteht seit 40 Jahren / Programm von „Star Wars“  bis „Winnetou“

STOCKSTADT - Der Musikzug Stockstadt besteht seit 40 Jahren und präsentierte zu seinem Geburtstag ein Konzert mit vielen bekannten und beliebten Filmmelodien in der Altrheinhalle. Für einen Abend war Hollywood an den Altrhein verlegt: Wer die Oscar-Verleihung verpasst hatte, fand einen Ersatz im Konzert des Musikzugs am Samstagabend. Melodien aus Film, Fernsehen und Musicals standen auf dem Programm, mit dem die Brass Band ihr 40-jähriges Bestehen feierte. Statt eines „Best of“ hatte man sich mit dem musikalischen Leiter Alexander Jung für eine ganz neue Zusammenstellung entschieden: 15 der 17 Stücke im Programmblatt führte der Verein zum ersten Mal auf, wie sein Vorsitzender Luigi Urzo erläuterte. Popcorn-Wagen im Foyer. Beim Betreten der ausverkauften Halle schritten die rund 600 Besucher über einen roten Teppich. Drinnen schmückten Filmplakate die Wände, und die Bühne war ganz in Weiß ausgekleidet, ebenfalls mit einigen Filmmotiven dezent dekoriert. An diesem Abend war eben ganz großes Kino angesagt, samt Popcorn-Wagen im Foyer und der bekannten Eröffnungssequenz des Studios 20th Century Fox auf Leinwänden neben der Bühne. Der erste Titel des Abends war etwa genauso alt und genauso aktuell geblieben wie der Musikzug: Die Titelmelodie von „Star Wars“ erklang, für die Brass-Band-Besetzung arrangiert von Florian Herget. Die zahlreichen Spots hinter und über der Band kamen wirkungsvoll zum Einsatz: Dank Bühnennebels wurden die grünen und roten Lichtstrahlen zu den Laserschwertern, die Fans der Filmreihe gut kennen, und schwenkten filmreif durch die Kulissen. Zu allen Titeln gaben die  Moderatoren Luigi Urzo und Harald Schmidt vorab Informationen, begleitet von Bildern auf den Leinwänden. So zu „You’ll be in my heart“, mit dem Phil Collins für den Disney-Film „Tarzan“ die Liebe zwischen dem Menschenkind im Dschungel und seiner Affen-Ziehmutter besungen hat. Aus der Fernsehserie „Das A-Team“ war die Titelmelodie zu hören, aus dem Filmklassiker „Die Brücke am Kwai“ der bekannte Marsch. Dramatisch bewegt und von kämpferischen Rhythmen begleitet interpretierte der Musikzug die Musik aus den Filmen „Fluch der Karibik“. Der „König der Löwen“ ist ein weiterer Film aus dem Hause Disney, der auch zu einem erfolgreichen Bühnenmusical verarbeitet wurde. Großen Anteil daran haben Stücke von Elton John wie „Can you feel the Love tonight“, das hier zu hören war. Solostimmen bei diesem Stück spielten Volker Brettnich, Günther Herget und Jan Nösinger. „Nessaja“ aus Peter Maffays „Tabaluga“-Musical fand ebenso Anklang wie das Titellied aus dem „Weißen Rössl am Wolfgangssee“, das sich anhand des eingeblendeten Textes mitsingen ließ. Auch ohne Spickzettel vertraut waren viele die Titellieder einiger Kinderserien, die als Medley geboten wurden: von Heidi über Pippi Langstrumpf und Biene Maja bis zu den Muppets. Wenn es um Filmmusik geht, darf James Bond nicht fehlen: Hier war Adeles Song „Skyfall“ zum gleichnamigen Agentenabenteuer vertreten.

Skyfall Heiler

Foto: Robert Heiler/Vollformat

Die „Blues Brothers“ als musikalischer Kultfilm waren ebenso unverzichtbar und Morricones unverkennbare Musik zu „Spiel mir das Lied vom Tod“ gelang hier in dem ungewöhnlichen Arrangement für die Brass-Band-Besetzung. Manches Lied kam erst nachträglich zu cineastischen Ehren, so John Miles‘ Hymne „Music“ oder aus der Swing-Ära mit Benny Goodmans „Sing Sing Sing“. Am Ende stand dagegen noch einmal originäre Filmmusik, die den meisten unvergesslich ist: die Fanfare zu den „Winnetou“-Filmen der sechziger Jahre.

Konfettiregen zum Abschluss

Begeisterter Beifall und ein Konfettiregen belohnte am Ende das herausfordernde Programm, dem sich der Musikzug an diesem Abend gestellt hatte. Auch alle Mitglieder wurden vorgestellt und mit Applaus bedacht. Ovationen gab es für die beiden Gründungsmitglieder, die hier zum letzten Mal mit dem Euphonium auf der Bühne standen: Karl Schäfer und Wilfried Kraft beendeten ihre aktive Laufbahn (wir haben berichtet) und wurden mit Ehren, einer Diashow und etwas Wehmut  verabschiedet.

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Foto: Harald v. Haza-Radlitz

Im Geburtstagsjahr ist für den Abend des 18. Juni ein „Sommernachts-Open-Air“ der Brass Band in der alten Hofreite geplant. Am 8. Oktober laden die Musiker zum schon vertrauten Oktoberfest in der Altrheinhalle ein. Der Eintritt zu beiden Veranstaltungen ist frei.

Von René Granacher - Ried-Echo vom 18.3.2016