Konzert – Musikzug Stockstadt spielt in der Altrheinhalle bunte Melodien von Phil Collins bis „Scotland the Brave“

MZ Robert Heiler

Ein breites Repertoire von Schlager bis Filmmusik und von Pop über volkstümliche Musik bis Swing servierte der Musikzug Stockstadt seinem Publikum am Samstagabend beim Neujahrskonzert in der Altrheinhalle.  Foto: Robert Heiler

Unterhaltsame Stunden mit dem Musikzug genoss am Samstag das Publikum des ausverkauften Neujahrskonzerts. Die Brass Band bot ein mitreißendes Programm auf professionellem Niveau.

STOCKSTADT.

Für schwungvolle Musik vom Feinsten ist der Musikzug seit Langem bekannt. So ist es kein Wunder, dass zum Neujahrskonzert am Samstagabend viele Besucher in die Altrheinhalle kamen, um sich unterhalten zu lassen. Sie wurden nicht enttäuscht und erlebten drei fröhliche Stunden mit der renommierten Brass Band.

Dank des guten Rufs, den sich der Musikzug seit Langem erspielt hat, war der Andrang noch größer als erwartet: Die 350 gestellten Stühle reichten nicht aus, zusätzliche Plätze mussten organisiert werden. In der hinteren Saalhälfte waren dabei die Theke mit Getränken und kleinen Speisen sowie die Garderobe angeordnet. Vorn zog die aufwendig dekorierte Bühne die Blicke an: mit ausgefeilter Lichttechnik samt Discokugel, mit glitzernden Wänden und Dekoration.

Immer wieder Kontraste und Überraschungen

Vor so viel Glanz stand das musikalische Angebot nicht zurück: Die Musiker präsentierten mit ihrem Leiter Alexander Jung eine Mischung von Schlager bis Filmmusik und von Pop über volkstümliche Musik bis Swing. Solche Programme spielen auch andere, aber die effektvollen Arrangements hoben die Aufführung von der Masse ab. Wechselnde Stimmen, das Spiel mit der Dynamik und ein einfallsreicher Einsatz von Rhythmusgruppe und verschiedenen Klangfarben ließen jedes Stück für sich zur Geltung kommen und sorgten in Kombination immer wieder für Kontraste und Überraschungen. Kleine Choreografien sorgten auch optisch für einen professionellen Bühnenauftritt.

Harald Schmidt, zweiter Vorsitzender des Musikzugs, gab als Moderator Informationen zu den einzelnen Stücken. Dabei konnte er immer wieder Premieren ankündigen, hatte die Band doch eine ganze Reihe von Stücken für dieses Konzert eigens arrangiert und eingeübt. Eine besondere Premiere war es für Philipp Müller an der Posaune, der als jüngstes Mitglied des Musikzugs erstmals bei einem großen Auftritt dabei war. Die erfolgreiche Nachwuchsarbeit gehört zu den Besonderheiten der Brass Band, die Jugendliche an den verschiedenen Blasinstrumenten sowie dem Schlagzeug ausbildet und ihnen dann auch ein spannendes musikalisches Betätigungsfeld bietet.

Defiliermarsch nach „König der Löwen“

Gut aufgelegt begann der Musikzug sein Konzert mit Peter Maffays „Nessaja“, kam dann über russische Weisen und Musik aus dem „König der Löwen“ zum Bayerischen Defiliermarsch und den „Blues Brothers“. Ebenso vielfältig ging es weiter, sodass für jeden Geschmack etwas dabei war. Erste Solisten waren Volker Brettnich (Flügelhorn), Jan Nösinger (Tenorhorn) und Günter Herget (Trompete). Kristof Nadler hatte die seltene Gelegenheit zu einem Solo auf der Tuba, weil die Band den „Klarinetten-Muckl“ für ihre Besetzung zu einem „Tuba-Muckl“ umgeschrieben hatte.

Nicht weniger bunt ging es in der zweiten Hälfte des Konzerts weiter mit Melodien von Phil Collins, James Last und Udo Jürgens, mit Marsch und Polka. Lothar Schurr an der Trompete glänzte bei Sinatras „My way“. Für die „Alten Kameraden“ zum Abschluss des Programms holte Luigi Urzo als Vorsitzender des Musikzugs selbst einen solchen Kameraden auf die Bühne: Kurt Heil hatte sein aktives Spiel im Musikzug als Vorstandsmitglied der Kreissparkasse aus Zeitgründen aufgeben müssen und kann sich nach seiner Pensionierung nun wieder einbringen, wie er an der Trompete unter Beweis stellte.

Anschließend aber bot der Musikzug bei den Zugaben überraschend noch Klangfarben, die man von einer Brass Band nicht gewöhnt ist: Ein Dudelsack mit begleitenden Trommeln ergänzte das Bild, drei Musiker im Kilt spielten für das begeisterte Publikum das bekannte „Scotland the Brave“ und noch „Highland Cathedral“. Markus und Tim Linert aus den Reihen des Musikzugs sind es, die sich mit Florian Herget an der Pauke als „Ried Pipers“ nun noch nebenher der schottischen Musik widmen. Zum Abschluss ließen sie noch „Amazing Grace“ gemeinsam mit dem Musikzug erklingen.

Zweites Standbein Määnzer Fassenacht    Ried-Echo vom 13.2.14

Orchester – Für den Musikzug Stockstadt bricht mit der Karnevalssaison eine besonders arbeitsreiche Zeit an

Probenbild

Gruppenbild mit Dame: Nur eine einzige weibliche Musikerin spielt mit beim Musikzug Stockstadt.
Derzeit probt das Orchester für die Teilnahme an Karnevalsumzügen in Gernsheim, Mainz und Büttelborn.  Foto: Robert Heiler

Seit 38 Jahren besteht in Stockstadt der Musikzug. Fast ebenso lange
ist die vielseitige Brass Band auch bei der Mainzer Fastnacht dabei.

Aus dem Gruppenraum des Musikzugs im hinteren Teil der Altrheinhalle dröhnt es rhythmisch mitreißend in verblüffender Lautstärke – diese Dynamik ist eindeutig nicht für einen geschlossenen Raum gedacht. „Kurz vor der Fastnacht trifft sich unsere Percussiongruppe schon eine Stunde vor der normalen Probe, um gesondert für die Umzüge zu üben“, sagt der Vorsitzende des Musikzugs, Luigi Urzo. Das große Neujahrskonzert des Orchesters liegt noch nicht lange zurück, da naht schon mit der Fastnacht die nächste saisonale Herausforderung.

Eine Herausforderung, die routiniert angegangen wird. Schließlich ist die Beteiligung an der Mainzer Fastnacht fast so alt wie der Musikzug: 1976 gegründet, unterstützte das Blechblasorchester bereits ein Jahr später die Hechtsheimer Dragoner Garde musikalisch in der Fastnacht. Seitdem musizieren und marschieren die Stockstädter in weiß-blauer österreichischer Gardeuniform beim Ehrenoffiziersempfang in Mainz-Hechtsheim, in Mainz beim Gardeumzug am Fastnachtssonntag und natürlich beim großen Rosenmontagszug. In KuK-Uniform deswegen, weil sich die Hechtsheimer Karnevalisten in Erinnerung an die bei der Belagerung von Mainz 1793 in der Nähe ihres Orts stationierten österreichischen Soldaten „Hechtsheimer Dragoner Garde. Erstes Österreichisches Corps der Mainzer Fastnacht“ nennen.

„Danach sind wir schlagkaputt“

Die närrischen Tage bis zum Rosenmontag verlangen den Musikern einiges ab, denn sie sind nicht nur in Mainz unterwegs: Am Fastnachtsamstag marschieren sie bei der Gernsheimer Straßenfastnacht mit, am Sonntag „in einem Aufwasch“, wie es Urzo nennt, erst in Mainz und später in Büttelborn. Und am Rosenmontag folgt dann zum krönenden Abschluss der große Umzug durch die Mainzer Innenstadt. „Das macht alles großen Spaß, aber danach sind wir schlagkaputt“, bekennt stellvertretender Vorsitzender Harald Schmidt.

Als nun nach und nach die Musiker zur normalen Probe um 20 Uhr an diesem Donnerstag eintrudeln, fällt sofort eine Besonderheit des Orchesters auf: „Von Jung bis Alt, von 15 bis 73 Jahre ist alles dabei. Das macht gerade den Verein aus“, sagt Jugendleiter Wilfried Herget. Der Musikzug freut sich immer über Neuzugänge, versucht aber vor allem, seinen Nachwuchs selbst heranzuziehen. Zu diesem Zweck gibt es die „Junior Brass Band“, in der Jungen und Mädchen ab zehn Jahren an einem Blechblasinstrument oder Schlagzeug ausgebildet werden.

Was ebenfalls sofort auffällt: Mit Christine Ritsert (Trompete) gibt es zurzeit nur eine Musikerin unter den 26 Aktiven des großen Orchesters, obwohl sich die bis dahin reine Männerdomäne 2009 grundsätzlich für Frauen geöffnet hat. Im Jugendorchester spielen auch nur eine Trompeterin und eine Posaunistin. Das liegt, vermutet Vorsitzender Urzo, an der besonderen Ausrichtung des Musikzugs: „Wir sind ein reines Blechblasorchester, Mädchen und Frauen bevorzugen aber vor allem Holzblasinstrumente. Ändern möchten wir uns dennoch nicht, weil das unseren besonderen Sound ausmacht.“

Nicht nur Märsche im Programm

Wie der klingt, beweist die Brass Band eindrucksvoll während der Probe. Satt erklingt der österreichische Kaiserjägermarsch. „Den spielen wir immer, wenn wir in Mainz mit der Garde vor die Ehrentribüne ziehen“, erklärt Urzo, der für den abwesenden Orchesterleiter Alexander Jung die Vertretung übernommen hat. Aber der Musikzug kann beileibe nicht nur Märsche. Stimmungsvoll präsentieren die Musiker „Nessaja“ aus Peter Maffays Musical „Tabaluga“.

Denn bekannt ist die Brass Band für ihre Arrangements von Stücken, die man nicht unbedingt mit einem Blechblasorchester in Verbindung bringt. So haben sie auch die Blues Brothers im Repertoire, ebenso wie Phil Collins, „König der Löwen“ und Udo Jürgens, aber auch die klassischen Märsche und Polkas.

Ein so aufwendiges Geschehen wie das Neujahrskonzert stemmt der Musikzug nur alle zwei Jahre. Jährlich gibt es dagegen das Oktoberfest – in diesem Jahr am Samstag (4.). Und natürlich musizieren sie ausgiebig bei der Fastnacht in Mainz und im Ried – mit österreichischem Marsch und „Ole, Ole Fiesta.“